Welche Weichen sollten Recruiter stellen, um in Zukunft erfolgreich zu rekrutieren? Dieser Frage ging Dr. Anastasia Hermann, Head of Research bei StepStone Deutschland GmbH, nach. Auf der Messe Zukunft Personal Süd in Stuttgart stellte sie die Recruiting-Insights-Studie „Kandidaten im Fokus“ vor und formulierte fünf tragende Säulen für erfolgreiches Recruiting.

 

1. Recruiting ist ein strategisches Thema

Nie war es so wichtig wie heute, die richtigen Mitarbeiter für das eigene Unternehmen zu finden und zu halten. Können die freien Stellen nicht mit geeigneten Kandidaten besetzt werden, ist der Geschäftserfolg in Gefahr. Recruiting ist also ein zunehmend strategischer Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen. Die Wahrnehmung ist in den jeweiligen Chefetagen jedoch nicht immer vorhanden. Die Aufgabe der HR-Organisationen ist es, das Bewusstsein für diese strategische Verantwortung im Management zu stärken. Denn die Mitarbeiter sind die tragenden Säulen des Unternehmens.

 

2. Kandidaten stehen im Fokus

Die zentrale Aktivität bei der Jobsuche bleibt das Verschicken von Bewerbungsunterlagen aufgrund einer ausgeschriebenen Stelle. 8 von 10 Jobsuchenden finden das wichtig oder sehr wichtig. Allerdings sind 76 % der Meinung, dass die Informationen von Stellenanzeigen nicht ausreichen. Sie wünschen sich vor allem mehr Informationen zu Gehalt, Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodelle sowie Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Stellenanzeigen bieten also viel Optimierungspotential. Denn für vier von zehn Jobsuchenden sind eine unattraktive Stellenausschreibung oder fehlende Informationen in Stellenanzeigen Gründe, sich nicht auf die Stelle zu bewerben.

 

3. Unternehmenskultur macht den Unterschied

Der „Cultural Fit“ ist wichtig. 60 % der Kandidaten geben an, Zusatzinformationen zum Unternehmen beeinflussen ihre Entscheidung für einen Job. Aber nur 36 % meinen, dass Unternehmen sich bei der Mitarbeitersuche als authentische Arbeitgeber präsentieren. Und das ist schade, denn Kultur schlägt Gehalt! Nur 14 % der Kandidaten würden bei entsprechend hohem Gehalt alles akzeptieren, der überwiegenden Mehrheit sind andere Faktoren viel wichtiger, beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 69 % von ihnen sind der Meinung, dass Unternehmen, die auf „Cultural Fit“ achten, erfolgreicher sind.

 

4. Digitalisierung vereinfacht die Prozesse

Die Digitalisierung kann es für beide Seiten einfacher machen. Man sollte also nicht nur darauf achten, für sich selbst den Prozess möglichst einfach zu gestalten, sondern immer auch an den Bewerber denken. Wenn man sich selbst Teile der Arbeit von digitalen Bewerbermanagementsystemen abnehmen lässt, wieso sollte sich dann der Jobsuchende durch eine komplexe und langwierige Online-Bewerbung kämpfen? 76 % der Kandidaten erwarten stattdessen die Möglichkeit einer Kurzbewerbung (One-Click-Bewerbung), 71 % würden es vorziehen, sich mit einem Online-Profil zu bewerben.

Digitalisierung sollte aber nicht nur dazu führen, Prozesse zu vereinfachen, sie sollte sie auch beschleunigen. Für den ganzen Bewerbungsprozess von Erstkontakt bis Vertragsunterschrift bringt der durchschnittliche Bewerber maximal zwei Monate Geduld auf. Eine erste verbindliche Rückmeldung – und damit ist nicht die automatische Eingangsbestätigung gemeint – sollte er nach maximal zwei Wochen erhalten.

 

5. Erfolg im Recruiting ist messbar

Welche Kanäle bringen welchen Erfolg? Lohnt sich die Ansprache beispielsweise in den sozialen Netzwerken? Controlling ist die Basis für nachhaltig erfolgreiches Recruiting. Noch immer erheben mehr als die Hälfte aller Recruiter keine Erfolgskennzahlen. Dabei können Unternehmen durch die Erhebung regelmäßiger KPIs die Effektivität unterschiedlicher Instrumente und Kanäle zielgruppenspezifisch messen und dementsprechend steuern. Nur wenn der Aufwand der unterschiedlichen Maßnahmen und die Kosten verschiedener Recruitingkanäle transparent sind, können Unternehmen eine fundierte Entscheidung darüber treffen, für welche Zielgruppen welche Maßnahmen angebracht sind.