Jetzt ist es amtlich: Einer aktuellen Arbeitsmarktstudie zufolge gefährden lange Bewerbungsprozesse die Qualität von Neueinstellungen. Wer seine Top-Kandidaten nicht verprellen will, sollte sich daher auf ein einziges Vorstellungsgespräch pro Bewerber fokussieren – und danach sofort entscheiden.

„Die Kandidaten werden bei der Jobsuche immer ungeduldiger und springen in Folge langwieriger Einstellungsverfahren ab“, lautet das ernüchternde Fazit der neuen Arbeitsmarktstudie. So liegen den meisten Bewerbern in Zeiten steigenden Fachkräftemangels parallel gleich mehrere Angebote vor, unter denen sie das beste auswählen können. Damit sinkt ihre Bereitschaft, länger auf die Rückmeldung eines Unternehmens zu warten. Gleichzeitig jedoch benötigen die Unternehmen immer mehr Zeit, um sich für einen Bewerber zu entscheiden.

Deutliche Straffung erforderlich

Wer dieser Zwickmühle entgehen will, sollte seine Einstellungsprozesse deutlich straffen: Es ist ein Unding, dass vom Erstkontakt eines Bewerbers bis zur finalen Personalentscheidung oft mehrere Wochen, wenn nicht Monate vergehen. So hat es sich in der Praxis bewährt, die oft zermürbenden Gesprächsmarathons auf ein einziges Treffen mit jedem interessanten Bewerber zu reduzieren. Für dieses Vorstellungsgespräch sollten die Arbeitgeber einen Zeitraum von vier Stunden anberaumen, in dem der Kandidat jeweils eine Stunde lang zunächst vom HR-Manager, dann vom Abteilungsleiter und von einem künftigen Kollegen und zuletzt vom Geschäftsführer persönlich interviewt wird.

Um den Bewerber nicht unnötig warten zu lassen, empfiehlt es sich, dass sich die Gesprächspartner unmittelbar nach dieser Vorstellungsrunde eingehend beraten und gemeinsam eine definitive Entscheidung für oder gegen den Kandidaten fällen. Sind sie von ihm überzeugt und wollen mit ihm arbeiten, brauchen keine weiteren Kandidaten mehr interviewt zu werden. Stattdessen sollte der ausgewählte Kandidat gleich am nächsten Tag seinen Arbeitsvertrag erhalten – und zwar per E-Mail, parallel dazu postalisch. Allen anderen Bewerbern ist zeitnah eine Absage zu erteilen.

Nachweislich höhere Abschlussquoten

Wie die Erfahrung zeigt, können Unternehmen mit einem einzigen Bewerbungsgespräch ihre Abschlussquoten deutlich erhöhen. Sie schaffen damit die Basis für ein erfolgreiches Wachstum und stellen die künftige Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen sicher. So berichten Kandidaten, dass sie kurze und transparente Einstellungsprozesse als ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und damit als zentralen Baustein der Candidate Experience betrachten. Denn sie schließen daraus auf eine positive Unternehmenskultur und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung beim neuen Arbeitgeber, während lange Recruitingprozesse schon frühzeitig das Gefühl entstehen lassen, die eigene Karriere würde ausgebremst.

Auch im Recruiting kann es funken

Wer den Begriff „The big date“ bisher nur aus dem Privatleben kennt, sollte nicht zögern, ihn auch auf die Bewerbungsprozesse zu übertragen. Denn genauso schnell, wie es zwischen zwei Liebespartnern funken kann, reicht eine Begegnung aus um herauszufinden, ob Bewerber und Unternehmen zusammenpassen. Daher sollten Arbeitgeber „The big date“ schnellstmöglich als Standardprozess in ihre Personalbeschaffung integrieren, anstatt weiterhin zu riskieren, dass die besten Kandidaten aus Ungeduld abspringen. Dazu ist es allerdings notwendig, alle beteiligten Unternehmensvertreter von den erwiesenen Vorteilen eines einzigen Vorstellungsgesprächs zu überzeugen: HR-Manager, Verantwortliche und Mitarbeiter der Fachabteilungen sowie Geschäftsführer sollten im Rahmen Workshops systematisch auf das neue Recruitingprinzip eingeschworen werden.