Vorbei die Zeiten, als sich die Recruiter auf die formalen Aspekte von Bewerbungsprozessen beschränken konnten. Künftig ist nur erfolgreich, wer das Business versteht und sein Unternehmen entsprechend gut verkaufen kann.

„Wir bieten Ihnen Wertschätzung, spannende Kundenprojekte, attraktive Aufstiegsmöglichkeiten und eine offene Unternehmenskultur.“ Beliebig lang ließe sich die Liste der Standardfloskeln fortsetzen, mit denen viele HR-Manager auch die interessantesten Kandidaten beim Vorstellungsgespräch überziehen. Die meisten Bewerber lässt ein solches Wortgeklingel kalt. Denn sie erfahren dabei nicht, was sie tatsächlich im neuen Job erwartet – und schließen daraus auf die fehlende Qualität des Arbeitgebers.

Enger Schulterschluss mit Fachbereichen

Besser ist es daher, wenn die Recruiter das Tagesgeschäft ihres Unternehmens genau kennen und bei den Vorstellungsrunden mit fundiertem Business-Know-how und den Alleinstellungsmerkmalen ihrer Geschäftskultur punkten können. Dazu sollten sie eine enge Zusammenarbeit mit den Fachbereichen und dem Management pflegen und sich aktiv über die Anforderungen jeder neu zu besetzenden Position informieren. Denn nur so sind sie auch in der Lage, aussagekräftige Stellenanzeigen zu formulieren.

Zur To-do-Liste erfolgreicher HR-Manager gehört:

  • Arbeiten Sie eine gewisse Zeit lang direkt in den Fachabteilungen mit! Dies ist die beste Gelegenheit, hautnah mitzuerleben, welchen Werten und Normen Ihr Unternehmen im Umgang mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden verpflichtet ist.
  • Sind Sie bei einer Unternehmens- oder IT-Beratung beschäftigt, sollten sie die Consultants mindestens zwei bis drei Wochen lang bei ihren Kundenprojekten begleiten und dabei aktiv bei ihrer Arbeit unterstützen. Nur so gewinnen Sie ein stimmiges Bild vom Alltagsgeschäft der Kolleginnen und Kollegen.
  • Lassen Sie sich von den Vertriebsmitarbeitern zu Kundenpräsentationen und Verkaufsgesprächen vor Ort mitnehmen! So können Sie sich aus erster Quelle über die Bandbreite Ihres Produkt- und Serviceangebots informieren und ein sicheres Gespür für dessen Marktposition entwickeln.
  • Setzen Sie sich regelmäßig mit Ihren Führungskräften zusammen, um über Trends und Neuigkeiten in Ihrem Unternehmen auf dem Laufenden zu sein. Sie erfahren dabei Insider-Details, die Ihnen im Vorstellungsgespräch helfen, den individuellen Spirit Ihres Unternehmens zu vermitteln.
  • Sprechen Sie mit der Geschäftsleitung und/oder dem Lenkungskreis darüber, wohin die Reise in den kommenden fünf Jahren gehen soll. Welche unternehmerischen Maßnahmen sind geplant, um diese Ziele zu erreichen? Wie sollen diese Maßnahmen in den einzelnen Fachbereichen und Teams umgesetzt werden? Nur mit diesen Informationen können Sie den Kandidaten konkrete Entwicklungsmöglichkeiten offerieren, anstatt pauschal mit „guten Karrierechancen“ aufzuwarten.

Ehrlichkeit zahlt sich aus

Kandidaten, die im Vorstellungsgespräch auf einen „Business-Versteher“ anstelle eines „HRlers“ treffen, honorieren die ehrliche und sachkundige Kommunikation. „Statt mir die sattsam bekannten Luftschlösser von Work-Life-Balance vorzugaukeln, sprach der Recruiter gleich offen kritische Punkte – wie Wochenendarbeit in heißen Projektphasen – an“, brachte es einer meiner Kandidaten, ein vielbegehrter IT-Sicherheitsberater, auf den Punkt. „Das vermittelte mir schon beim ersten Vorstellungsgespräch ein angenehm authentisches Bild vom Unternehmen.“ Das Beispiel zeigt: Statt auf den ohnehin bekannten Angaben oder gar Lücken im Lebenslauf eines Kandidaten herumzureiten, sollten HR-Manager die fachlichen Anforderungen und kulturellen Besonderheiten ihres Unternehmens genau kennen und kommunizieren. Der genannte Security-Spezialist hat die gezeigte Ehrlichkeit übrigens mit einer Zusage honoriert.