Wenn man in Google nach dem Begriff „positives Arbeitsklima“ sucht, wird man schnell fündig und findet mehrere Stichpunktlisten, welche die wesentlichen Dinge, die man als Arbeitgeber in diesem Bereich tun sollte, aufzeigen. Es ist die Rede von Vor- und Nachteilen des Arbeitsplatzes, Karrieremöglichkeiten, Vergütung und Zusatzleistungen. Doch ganz oben auf diesen Listen stehen auch Kultur und Werte eines Unternehmens, der Führungsstil des Managements sowie die vielbeschriebene Work-Life-Balance.

Die glücklichsten Arbeitnehmer leben laut einer aktuellen Studie, neben Kanada und Australien, auch in Deutschland. Hurra! Angeblich ist sogar Hamburg die Stadt in Deutschland mit den glücklichsten Mitarbeitern. Vielleicht liegt es daran, dass neben Facebook und Google, auch große Konzerne, wie Tchibo, Beiersdorf und Otto ihre Zentralen vor Ort haben, vielleicht aber auch am Wetter …

„Wohlfühlen im Job“

Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass das Thema eines modernen oder positiven Arbeitsklimas oft zitiert und diskutiert wird. Es gibt aus den vergangenen Jahren zahlreiche Hitlisten von Firmen, in denen die Mitarbeiter nur positives berichten und immer wieder fallen Namen der großen „Global Player“, die in vielen Ländern als „Arbeitgeber des Jahres“ annoncieren. Diese Arbeitgeber machen offensichtlich alles richtig, wenn es um das Thema „Wohlfühlen im Job“ geht. Unternehmen wie SAP und Microsoft sind oft an der Spitze dieser Listen in mehreren Ländern vertreten. So hat das Arbeitgeberportal Glassdoor, welches seit zehn Jahren international ihren eigenen Award für Mitarbeiterzufriedenheit verleiht, auch Deutschland ins Visier genommen. Deutschland ist jetzt schon zum dritten Mal bei diesem Award dabei. 2018 ist das Beratungshaus Bain & Company als Sieger dieses Contests hervorgegangen. Erstaunlich ist, dass es nicht immer nur die viel beschriebenen Tech-Unternehmen sind, die die Spitze dieser Listen anführen, sondern auch Sportmarken wie Puma und die Automobilbranche Porsche, BMW und Daimler. In der Schweiz sind Ikea und auch DHL auf den vorderen Plätzen, wenn es um die besten Arbeitgeber geht.

Es gibt viele Beispiele, die ein positives Arbeitsklima hervorrufen und viele sind nicht neu. Der Unterschied ist jedoch, dass der Einsatz von manchen Incentives nur kurzfristig zum Erfolg führt und nicht längerfristig ein ganzes Klima im Unternehmen ändern wird. Soviel zur Theorie. Doch in einem aktuellen Blog von David K. Williams, CEO der Software Firma Fishbowl Inventory, wird deutlich, dass auch die Unternehmungsführung von Fishbowl Inventory in den letzten Jahren vieles ausprobiert hat, um Mitarbeiter zu motivieren und die Unternehmenskultur langfristig zu ändern. So wurden iPads für die Mitarbeiter zur Verfügung gestellt, exotische Reisen und Prämien als Incentives vergeben, und insgesamt die Motivation der Mitarbeiter an erste Stelle gestellt. Dennoch blieb die langfristige Schaffung des motivierenden Umfeldes irgendwie aus. Durch die gezielte Schaffung einer unterstützenden Unternehmenskultur mit einem ebenso unterstützenden Managements auf allen Ebenen hat David K. Williams es jedoch geschafft die Grundlage für die langfristige Zufriedenheit der Mitarbeiter herzustellen.

Ein wesentlicher Faktor, warum das Thema Arbeitsklima in den letzten Jahren immer aktueller wurde, sind sicherlich auch die viel beschriebenen Millenials, die wechselwilliger im Job sind als vorherige Generationen. Diese lassen uns sicherlich in den letzten Jahren die „extra mile“ gehen in Bezug auf die vielbeschriebene Wohlfühlatmosphäre. Auch Nachwuchs – bzw. Fachkräftemangel vieler Branchen, lassen uns vieles tun, dass wir langfristig als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Doch nicht zuletzt ist es auch einfach eine betriebswirtschaftliche Rechnung: Laut einer aktuellen Studie kostet es durchschnittlich sechs bis neun Monate Gehalt, bis ein neuer Mitarbeiter eingestellt ist, die erforderlichen Trainings hatte und final in seiner Rolle zu 100% funktionsfähig ist.

Arbeitnehmer in den USA verbringen mehr Zeit in der Firma als mit ihrer Familie

Mittlerweile werden Mitarbeiter deshalb nicht einfach mehr als reine Ressource gesehen, sondern als Mensch. „Walk the talk“ ist das Stichwort, das umschreibt, dass Vorgesetzte ihr Handeln und Verhalten hinterfragen um sicherzustellen, dass dieses mit den Erwartungen und Werten der Firma übereinstimmen. Diese Ansätze, so hofft man, spiegeln sich dann auch in der Zufriedenheit der Mitarbeiter wieder. So ließ eine US-Studie aus dem Jahr 2015 aufhorchen. Diese Studie zeigte, dass Mitarbeiter in den USA mehr als 240 Tage pro Jahr im Büro verbringen (bei zwei Wochen Urlaub und einem 8-Stunden-Job). Sie verbringen somit mehr Zeit mit Kollegen als mit der eigenen Familie, was unmittelbar klar macht: wer sich im Job nicht wohlfühlt, wird dem sich unvermeidbar aufbauenden „Leidensdruck“ nachgeben und damit entweder nicht mehr motiviert arbeiten oder den Arbeitgeber wechseln. Deutschland ist dank großzügigerer Urlaubsregelungen sicherlich noch ein Stück von solchen Zahlen entfernt. Doch ändert sich dadurch nichts am Prinzip, dass wir alle sehr viel Zeit am Arbeitsplatz und mit Kollegen verbringen. Daher geht auch in Deutschland der Trend zu „treat employees like family“. Interaktion mit Respekt und vielleicht auch eine derzeit viel beschriebene Einführung einer „Diversity Policy“ stehen im Raum. Durch die immer deutlich werdende Verwischung der geographischen Grenze, wo sich ein Mitarbeiter auf der Welt befindet, ist dies heute von besonderer Bedeutung.

Manager und Vorgesetzte spielen bei der Atmosphäre eines Unternehmens eine besondere Rolle. Sie sind „climate makers“, egal welche Position sie im Unternehmen haben und spielen eine wichtige Rolle dabei, wie sich Mitarbeiter im Job oder in der Firma fühlen. Der Einfluss, den sie auf die Arbeitsmoral haben, kann letztlich dazu führen, dass Mitarbeiter bleiben oder gehen. Obwohl ihr Einflussbereich unterschiedlich sein kann, ist es erforderlich, dass sich das Management auf allen Ebenen – vom einfachen Teamleiter bis zum CEO – regelmäßig auf die Interaktionen mit den Mitarbeitern konzentriert. Ein Satz, der sich mir im Laufe der Jahre eingeprägt hat, war immer „People don‘t leave companies, they leave managers“.

Was sind nun die wesentlichen Punkte, die ein langfristiges und gutes Arbeitsklima ausmachen?

Zunächst ist hier zu sagen, dass in den letzten Jahren der Begriff „Work-Life-Balance“, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, immer mehr in den Mittelpunkt gewandert ist. Was in Skandinavien schon selbstverständlich ist und nicht mehr hinterfragt wird, wird auch mehr in mehr in anderen Ländern zur Routine. Flexible Arbeitszeiten, die unkomplizierte Möglichkeit für das Home-Office und moderne Teilzeitregelungen sind nur einige Beispiele dafür. Ein moderner CEO ermöglicht Flexibilität am Arbeitsplatz, um Familienereignisse, wie Arzttermine und schulbezogene Aktivitäten, besser bewältigen zu können. Mitarbeiter sind auch dann produktiver und engagierter, wenn sie in der Lage sind, Arbeit mit anderen Anforderungen an ihr Leben zu vereinbaren. Moderne Führungskräfte sind zusätzlich zu Mentoren geworden, die Expertise gerne teilen und so Vertrauen in ihren Teams schaffen. Man kann nur hoffen, dass Micromanagement auf allen Ebenen damit irgendwann zur Vergangenheit wird.

„Treat employees like family“

Ein positives Arbeitsumfeld kann aber auch generiert werden, in dem man Mitarbeiter dazu ermutigt, Ideen zu äußern und offen für diese zu sein. Jeder Mitarbeiter kann eigene Perspektive und Erfahrung in ein Projekt einbringen. Sicherlich ist es als Führungskraft manchmal schwer seinen Mitarbeitern z.B. Projektleitungsaufgaben anzuvertrauen: Man möchte Fehler, die man aus eigener Erfahrung kennt, verhindern, lenken und so schneller zum Ziel kommen. Jedoch kann ein gesunder Mix aus „trial and error“ die bessere Vorgehensweise sein, die meist nicht nur zu dem gewünschten Ergebnis führt: gratis dazu gibt es den zufriedenen und wertgeschätzten Mitarbeiter. Moderne Unternehmen haben dazu auch eine „Politik der offenen Tür“. Diese fördert Vertrauen und der Fluss von wichtigen Informationen wird erleichtert. Das Management kann damit auch Stimmungen besser einfangen und darauf reagieren.

Eine offene Feedback-Kultur und regelmäßige Zielvereinbarungsgespräche sind ebenfalls wichtig, um eine Wohlfühlkultur zu etablieren. Ein Mitarbeiter, der sich gehört fühlt, fühlt sich verstanden. Dabei sollte es nicht allein nur um berufliche Ziele gehen, sondern auch um Privates. Was möchte jemand erreichen, wohin möchte er sich entwickeln. Eine wesentliche Komponente in diesen Gesprächen kann auch sein, dass man als Führungskraft über die eigenen Ziele spricht und Bezug nimmt auf das Geschäftswachstum.

Transparenz, Feedback und Offenheit sind nicht zu unterschätzen auf dem Weg zu einem positiven Arbeitsklima. Der Trend „Treat employees like family“ hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Klima verändert. Man hat in HR einfach verstanden, dass die Grenzen des klassischen „Nine to five“-Jobs aufweichen müssen, um den heutigen Anforderungen in einem Unternehmen gerecht werden zu können.

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Anja Muecher
Anja Muecher bloggt für das HRM Research Institute (HRM.de) aus Amerika über die amerikanische HR & Recruiting Branche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern seit 2015 in Toronto, Kanada, und ist für Firmen und Privatpersonen selbstständig im HR-Bereich tätig. Sie begann ihre HR-Karriere 2006 bei „The Boston Consulting Group“ in Stockholm, Schweden. Nach ihrer Rückkehr nach München arbeitete sie als Recruiter und im HR-Bereich eines mittelständigen Unternehmens. 2009 wechselte sie als HR-Generalist zu Avery Dennison und war dort unter anderem zuständig für die Bereiche der Supply Chain, IT und Finanzen. Sie betreute ebenfalls die Mitarbeiter in Nordics und den osteuropäischen Niederlassungen. Neben der erfolgreichen Implementierung von globalen HR-Strategien und -Projekten, wie dem „New Hire Onboarding“ und einem „Employee Referral Program“, unterstützte sie die Mitarbeiter hinsichtlich aller Belange im Bereich Human Resources.