Handy an, der Tag beginnt. Wer kennt das nicht? Unser Leben spielt sich mehr und mehr in einer digitalen Welt ab. Ob es der kurze Blick kurz nach dem Aufstehen auf das Wetter ist, ein Blick auf die Tagesschau-App, um informiert zu sein, oder, während der Kaffee in die Tasse läuft, ein kurzer Ausflug zu Facebook und Instagram.

Die Globalisierung schreitet voran und das trotz aller egoistischen Versuche, sie, zumindest auf dieser Seite des Atlantiks, einzudämmen. Mitarbeiter brechen aus ihren traditionellen „9 to 5 roles“ aus und arbeiten vermehrt im Home-Office, am Flughafen, oder im Park. Unternehmen betreiben Crowdsourcing im größeren Stil, um Kapazitäten in den eigenen Reihen freizuschaufeln und Anbieter von Cloud-Plattformen zur digitalen Zusammenarbeit sind im Aufwind.

Wer zukunftsfähig sein möchte, der kann sich dem technischen Wandel nicht entziehen. Globalisierung und Digitalisierung sind Themen, welche auch uns Personaler immer stärker beschäftigen. In einer Welt, die sich scheinbar immer schneller dreht und in der Zeitzonen für Meetings keine richtige Rolle mehr spielen. Auch wir wollen und müssen uns mit unseren Counterparts aus anderen Ländern vernetzen. Dies ist ein essentieller Bestandteil unserer Arbeit geworden.

Neue Rollen im HR-Bereich, wie der Digital Transformation Manager HR oder ein Global HR Advisor sind in Unternehmen keine Seltenheit mehr. So werden Mitarbeiter weltweit von geschulten HR-Fachkräften unterstützt, wenn es um Weiterentwicklung und Begleitung im Thema Vernetzung und Mobilität geht. Bayersdorf in Hamburg etablierte vor einigen Jahren die Rolle eines Digital Transformation Managers HR und warb in der Stellenbeschreibung aktiv mit dem aktiven Nutzen von HR-Analytics für Recruiting und Personalmarketing sowie Unterstützung der HR-Prozesse durch Digitalisierung.

Arbeiten wird immer globaler

Grenzen verschwinden mehr und mehr und Mitarbeiter sind auf dem ganzen Globus verstreut. Die Arbeitswelt 4.0 hat uns fest im Griff. Was anfangs noch mit einfachen E-Learning- und Online-Trainings begann, entwickelte sich hin zu so genannten Corporate MOOC’s, Massive Open Online Courses, einer neuen Form des Lernens. Die Unternehmen Bosch, Audi und Otto Bock beteiligten sich in diesem Jahr am so genannten „MOOCathon“, einer Veranstaltungsreihe, welches das Thema Corporate Learning im digitalen Zeitalter in den Focus nimmt. Neu daran ist, dass diese Themen in der Öffentlichkeit diskutiert werden, früher wäre dies sicherlich ein Entlassungsgrund gewesen.

Anhand dieser Beispiele sieht man, dass das alte Silo-Denken, stringent nur in einer Abteilung zu arbeiten, aufgehoben wird und man quer über Bereiche und Hierarchien zusammenarbeitet und denkt. Was vielerorts noch diskutiert wird, ist in anderen Firmen längst Realität. So vernetzen sich viele Startups in „Collaboration Hubs“, mit dem Ziel, Spezialisten mit unterschiedlicher Expertise an einem Thema arbeiten zu lassen. Ein führender Anbieter in diesem Bereich ist sicherlich Google. Es werden Kommunikationskanäle geschaffen, die Büroräume und Entfernungen unwichtig werden lassen und jeder kann sich die Arbeitszeit für ein Projekt flexibel einteilen. Dank transparenter Kommunikation in Echtzeit ist es leicht, nachzuvollziehen, wie ein Kollege auf der anderen Seite der Welt das Projekt in der Zwischenzeit vorangetrieben hat und Mitarbeiter X kann oftmals nahtlos anknüpfen. Ziel ist es nicht nur voneinander zu lernen, sondern sich auch selbst weiterzuentwickeln. Somit lernt der Mitarbeiter vom Chef und umgekehrt, denn oft wird „Know-how“ erst durch Transfer und Austausch wirklich wertvoll. Inzwischen gibt es diese Hubs, oder wie Google es nennt, „Campuses“, in den großen Metropolen der Welt wie Tel Aviv, London, Seoul, Madrid, Warschau und Sao Paulo.

HR muss die Vernetzung von Mitarbeitern unterstützen

HR steht jetzt vor der Aufgabe, diese Vernetzung von Mitarbeitern zu unterstützen, denn wenn Kollegen aus verschiedenen Abteilungen ihre Expertise zusammenbringen, kommen Projekte wesentlicher schneller zum Erfolg und ganz nebenbei entsteht durch die digitale Transformation im Unternehmen auch eine positive Unternehmenskultur. Diese wiederum gibt uns in Zeiten von Fachkräftemangel und dem „War of talents“ vielleicht auch einen entscheidenden Pluspunkt im Recruiting.

Doch auch innerhalb einer vormals starren Personalabteilung vernetzt man sich. Die traditionelle Rolle der bloßen Personalverwaltung ist einer HR mit Service-Funktion gewichen. Auch haben sich viele vormals lokale Abläufe automatisiert. Ein erfolgreiches Beispiel aus der Praxis ist der „Shared Service“-Bereich in Payroll oder der Bereich „Global Mobility“, wo schon immer grenzübergreifend gearbeitet wurde. „HR Shared Service Center“ großer DAX-Unternehmen wurden in den letzten Jahren erfolgreich vor allem in Asien etabliert, ohne die mittlerweile nichts mehr geht. Auch die Themen Recruiting, Onboarding und Exit werden vielerorts identisch abgewickelt, oftmals mit Unterstützung von weltweit funktionierenden HR-Systemen.

Ein kompetentes „Human Resources“-Team ist wichtiger denn je, und das nicht nur, um Mitarbeiter für neue globalen Herausforderungen im Unternehmen fit zu machen, sondern auch um lokale Experten zu vernetzen. Aus der altbekannten Anlehnung „HR – Finance“, wird mehr und mehr auch eine Anlehnung von „HR – IT“. Der Personaler 4.0 bringt nämlich auch eine digitale Affinität und eine Begeisterung zum Wandel mit und wird so zum Verantwortlichen für die Vernetzung von firmeninternen HR-Prozessen und Systemen weltweit.

Die Zusammenarbeit mit HR aus unterschiedlichen Märkten wird wichtiger und interkulturelle Praxis ist unumstritten ein wichtiges Attribut. Viele HR-Systeme werden landesspezifisch angepasst und Trainings an Landesgepflogenheiten angepasst. Der Informationsaustausch von Kollegen weltweit wird zu einer Grundvoraussetzung. Aktuelle Trainings werden auch mehr und mehr digital aufgezeichnet und in verschiedenen Zeitzonen mehrfach angeboten, so dass jeder Mitarbeiter teilnehmen kann. Außendienstmitarbeiter werden vielfach durch Webex und Skype betreut.

Die digitale Transformation in Unternehmen ist aktuell eine der größten Herausforderungen im Bereich HR in unserer Zeit. Wir müssen schneller, effizienter und globaler arbeiten und doch können wir den Wandel nur erfolgreich angehen, wenn wir effektiv zusammenarbeiten. Hinter dem Begriff Transformation oder Digitalisierung verbergen sich sehr viele Möglichkeiten, nicht nur für den HR-Bereich. Jetzt sind wir gefragt diese Konzept-Ideen in konkrete Projekte zu überführen.

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Anja Muecher
Anja Muecher bloggt für das HRM Research Institute (HRM.de) aus Amerika über die amerikanische HR & Recruiting Branche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern seit 2015 in Toronto, Kanada, und ist für Firmen und Privatpersonen selbstständig im HR-Bereich tätig. Sie begann ihre HR-Karriere 2006 bei „The Boston Consulting Group“ in Stockholm, Schweden. Nach ihrer Rückkehr nach München arbeitete sie als Recruiter und im HR-Bereich eines mittelständigen Unternehmens. 2009 wechselte sie als HR-Generalist zu Avery Dennison und war dort unter anderem zuständig für die Bereiche der Supply Chain, IT und Finanzen. Sie betreute ebenfalls die Mitarbeiter in Nordics und den osteuropäischen Niederlassungen. Neben der erfolgreichen Implementierung von globalen HR-Strategien und -Projekten, wie dem „New Hire Onboarding“ und einem „Employee Referral Program“, unterstützte sie die Mitarbeiter hinsichtlich aller Belange im Bereich Human Resources.