Sobald die Personalsuche nicht optimal läuft, ist der Schuldige in den meisten Unternehmen schnell gefunden und der „Schwarze Peter“ verteilt. Immer wieder liegen die Gründe dafür in der HR-Abteilung. Jedoch sobald Sie – wie einer meiner Kunden – die Einzelfälle analysieren, liegen die Gründe oft beim Anforderer selbst. In diesem Artikel benennen wir die Probleme, damit Sie diese abstellen und danach gemeinsam erfolgreich das passende Personal gewinnen können.

Beschäftigung als Hauptausrede

Natürlich sind Sie überlastet und beim Kunden aktiv, liebe Fachabteilung – das verstehen wir alle und haben auch Verständnis dafür. Jedoch sobald Sie neues Personal gewinnen wollen, dürfen Sie diesem Prozess auch die notwendige Priorität geben – sonst gibt es nämlich einen Verlierer und der sind Sie am Ende selbst. Früher haben Sie Ihrer HR-Abteilung einfach mitgeteilt, was Sie brauchen, und die haben den Rest gemacht. Doch diese Zeiten sind vorbei! Stellen Sie sich lieber heute als morgen darauf ein. Erfolgreiches Recruiting ist Team- und nicht HR-Aufgabe.

Bitte unterlassen Sie folgende Tätigkeiten – diese schlagen die Kandidaten nur in die Flucht:

1. Telefoninterview im Auto

Ihr Kandidat nimmt sich Zeit, bereitet sich auf das erste Telefoninterview vor, freut sich auf das erste Gespräch mit seinem Ansprechpartner und dann das: Sie sitzen im Auto. Die Verbindung ist gut, dann wieder schlecht oder bricht sogar ab, Sie haben den CV nicht zur Hand und wirken vielleicht aufgrund des Straßenverkehrs auch noch abgelenkt. Kann es Ihrer Meinung nach noch weniger Wertschätzung dem Kandidaten gegenüber geben?

2. Lange Antwortzeiten

Sie und ich, wir wissen es doch beide: Sie schauen sich einen CV samt Projektliste nicht länger als maximal 5 Minuten an und danach treffen Sie sofort Ihre Entscheidung, ob Sie den Kandidaten sehen wollen oder nicht. Welchen Grund sollte es also geben, dieses Prozedere nicht innerhalb von 36 Stunden zu erledigen? Mir fällt keiner ein.

3. Lange Wartezeiten

Warum haben Sie nicht jeden Freitag einen fixen Recruiting Day? Somit muss kein Kandidat länger als maximal 8 Tage auf einen Termin warten.

4. Kein HR-Briefing

Früher war es einfach: Sie teilten Ihrer HR-Abteilung mit, was Sie benötigen, und die haben das sofort umgesetzt. Heute geht das nicht mehr, da sich der Kandidatenmarkt komplett geändert hat. Ihr Recruiting benötigt heute ein klares Briefing, mit aussagenkräftigen Angaben zur Stelle, USP Ihrer Abteilung, Besonderheiten, Benefits, Teamkultur usw. Ohne konkrete Aussagen laufen Ihre Personalbeschaffungsmaßnahmen leider ins Leere.

5. Sie suchen die „Eierlegende Wollmilchsau“

Natürlich muss Ihr neuer Mitarbeiter ein Top-Arbeitstier sein! Er muss mindestens 10 Jahre Erfahrung haben und zwar genau in dem Bereich, in dem Sie ihn im Bestfall auch die nächsten 10 Jahre einsetzen wollen. Er soll sich nicht weiterentwickeln. Er soll einfach alles machen und das natürlich auf exzellente Art und Weise. Sie zahlen einigermaßen gut und das wird dann schon ausreichen. Sorry, meine lieben Anforderer – auch diese Zeiten sind vorbei. Denn Fachkräftemangel gibt es tatsächlich bei den Kandidaten, die Sie alle suchen! Also erweitern Sie Ihren Suchradius, sonst haben Sie wieder ganz schlechte Karten.

6. Glaubenssatz: Sie haben einen Job zu vergeben

Sie glauben, Sie haben einen Job zu vergeben – und irgendjemand will diesen unbedingt haben. Sie entscheiden natürlich, wer diesen Job bekommt. Das kann sein, doch die finale Entscheidung im Bewerbungsprozess liegt schon lange bei den Kandidaten und nur noch teilweise bei Ihnen.

Liebe Fachabteilung, ich bin fest davon überzeugt, dass Sie diese Punkte schnellstmöglich abstellen werden – spätestens sobald Sie einfach weniger oder kein Personal mehr finden werden. Ich fordere Sie heute auf: Unterstützen Sie mit diesen Maßnahmen Ihre HR-Abteilung und damit auch sich selbst. Denn Sie wollen doch auch mehr Kandidaten und neue Mitarbeiter gewinnen. Somit dürfen auch Sie ein neues Mindset etablieren.

Altes Denkmuster: Recruiting ist Sache der HR-Abteilung, die Personalentscheidung bleibt den Führungskräften vorbehalten.

Neues Denkmuster: Recruiting ist Teamarbeit und Unternehmensaufgabe, die alle angeht – über die Hierarchie-Ebenen hinweg.

Fazit

Wir sind uns sicher: Sobald Sie diese 6 Punkte abstellen und Sie sich den neuen Gegebenheiten des Arbeitnehmermarktes stellen und danach handeln, werden Sie auch erfolgreicher in der Personalbeschaffung sein.

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