Seid mutig! Warum wir Personaler Mut gut gebrauchen können

Wie sähe es in Unternehmen aus, wenn es kein HR mehr gäbe?

Vermutlich würde erstmal nichts passieren. Provokant gesagt, würde es vermutlich für einen Monat nicht weiter auffallen. Zumindest so lange, bis die ersten Lohnzahlungen ausbleiben, weil die Payroll nicht funktioniert. Gehen wir aber einmal hypothetisch davon aus, dass die Payroll ausgelagert ist und auch ohne uns weiterläuft. Was geschieht dann? Wie lange würde es dauern, bis dem Business auffällt: „Da fehlt doch was?“ Ein Monat? Ein ganzes Jahr?

Die gute Nachricht ist: Wir Personaler sind nicht überflüssig und werden es auch so schnell nicht werden. Unsere Arbeit als Personaler ist und bleibt wichtig! Wir sorgen dafür, dass Mitarbeitende eingestellt, bezahlt und in Rente oder ein anderes Unternehmen gehen können. Wir als Personaler sorgen auch für die Entwicklung und den nötigen Wissenszuwachs der Belegschaft. Wir pochen darauf, das richtige Gleichgewicht zwischen Beruflichem und Privatem zu halten (die berühmte Überstunden- und Urlaubsliste mit den roten Zahlen) und haben ein Auge darauf, dass die Mitarbeitenden langfristig gesund und vital in die Arbeit gehen können.

Alle unsere HR-Dienstleistungen werden wir heute und auch morgen noch erbringen, wenn auch in anderer Form. Payroll wird größtenteils vollautomatisiert laufen, Daten liefern Informationen, wer sich morgen in einem anderen Unternehmen bewerben wird und welches Wissen morgen im Unternehmen gebraucht wird. Es wird neue Organisationsformen geben, die klassische HR-Business-Partner-Modelle überflüssig machen (teils gibt es diese schon). Das mag Grund zur Sorge geben, bewährtes zu verlieren.

Mir macht es aber Mut in eine positive Zukunft zu starten.

Eine Zukunft, in der wir dank der datengetriebenen Auswertungen viel eher agieren als reagieren können, wie das HRForecast bereits heute möglich macht. In der wir uns nicht mehr nur mit Raumbuchungen und Terminabsprachen plagen, weil das Programme dank künstlicher Intelligenz übernehmen und so Zeit gewinnen, um uns auf die wirklich relevanten Themen zu konzentrieren: Was treibt meine Mitarbeitenden um? Wie können wir einen relevanten Beitrag zu einer positiven Arbeitswelt leisten? Eine Zukunft, in der wir gemeinsam in interdisziplinären Teams arbeiten und keine Rücksicht auf Hierarchien nehmen müssen. In der jeder in seiner Komfortzone bleiben kann und diese verlässt, weil er die nötige Sicherheit und Unterstützung erfährt.

Viele Gründe also, mutig in die Zukunft zu starten, die wir als HRler mitgestalten. Dazu müssen wir den Mut haben, Dinge auszuprobieren, dabei zu scheitern, dazuzulernen. Wir sollten über den Tellerrand hinausschauen und einfach mal ausprobieren und mutig vorangehen. Ob beim Meet-Up oder BarCamp (z.B.: HR talks – bring your own topic am 05.03.2020) bei Messen, Konferenzen oder in der Corporate Learning Community und dem persönlichen WOL-Circle –  alle Veranstaltungen schaffen für uns einen Raum der Inspiration und des Austauschs, um gemeinsam mutig eine bessere Arbeitswelt für alle zu schaffen.

HR wird vom Top-Management selten gehört. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken

Uns Personalern fällt es ja oft schwer, im Top-Management Gehör zu finden. Oft brauchen wir ein dickes Fell, Boxhandschuhe und Fakten, Fakten, Fakten. Was mir Mut macht ist, dass wir in Zukunft viel mehr Daten und Zahlen haben werden, um unsere oft „weichen Themen“ zu platzieren. Wenn ich nur sagen kann: „Ich glaube da liegt was im Argen und wir sollten in den zwei Abteilungen etwas tun“, dann klingt das nach „Kuschelkurs“ und „hätte gerne“.

Wenn ich dem Chef belegen kann, dass sich in den nächsten zwei Monaten 50 Mitarbeitende wegbewerben werden und das bedeuten würde, dass wir drei Abteilungen schließen müssten, die aber aktuell 20 % des Umsatzes erwirtschaften, dann klingt das nach einem ernsthaften Problem.

Diese Daten ermöglichen eine andere Grundlage und wir Personaler können mutig in die Diskussion gehen, klare Konsequenzen aufzeigen und mögliche Lösungsräume diskutieren. Als Personaler tun wir gut daran, unsere Durchsetzungsstärke auszubauen. Eine Leseempfehlung für mehr Durchsetzungsstärke und Mut ist das Buch von Alexander Verweyen: „Mut zahlt sich aus: 12 Mutproben fürs Business“. Lesen Sie rein, es lohnt sich.

Neue Aufgaben im HR: Da kommt was auf uns zu

Im „War for Talents“ und in einem Bewerbermarkt, der die früheren Machtverhältnisse (Unternehmen am Drücker, Bewerber der dankbare Bittsteller) nicht mehr gelten, erhält HR eine neue Aufgabe: Verkaufen. Wir HRler müssen plötzlich die Firma verkaufen. Als interessanter Arbeitgeber, als wichtige Entwicklungsstation für den Bewerber. Employer Branding und Active Sourcing sind die neuen Zauberwörter im Recruiting.

Die Personalentwicklung muss sich schneller den Lernbedarfen anpassen und sich verstärkt auf den Lerner konzentrieren. Standardangebote locken niemanden, es soll gleich eine ganze Lernkultur implementiert werden, die Lernangebote immer flexibler werden, lernen soll in den Arbeitsalltag integriert sein. Als Personalentwickler sind gefordert mit neuen Tools und Lernapps eine Lernerfahrung zu basteln, die überzeugt.

Wir wissen nicht, wie die Zukunft aussieht. Wenn wir aber wollen, dass sie positiv in unserem Sinne gestaltet wird, dann kann das nur gelingen, wenn wir Mut haben. Mut neue Wege zu gehen. Mut auszuprobieren und zu scheitern. Mut Erfolge zu feiern und mit anderen zu teilen, damit sich die beste Lösung verbreitet und auch andere davon profitieren. Mut haben, es immer noch ein bisschen besser machen zu wollen. Dann werden wahre Kunstwerke entstehen!

Wer, wenn nicht HR, nimmt die Menschen beim digitalen Wandel mit?

Ja es stimmt: Alle reden vom digitalen Wandel und der „Digitalen Revolution“ und vermutlich ist die schon im vollen Gange, auch wenn es keiner mehr hören kann. Die bestehenden Strukturen werden plötzlich in Frage gestellt, neue Lösungen propagiert. An vielen Stellen findet ein Diskurs statt und immer mehr erheben die Stimme dafür, dass der Wandel vor allem Anderen dem Menschen dienen sollte. Viele Entwicklungen sehen neue Business-Modelle vor oder neue Wege der Zusammenarbeit werden gefordert. Die Aufgabe für uns Personaler ist es, mit dabei zu sein. Ideen einzubringen, auszuprobieren. Bringt die angestrebte digitale Lösung einen Mehrwert für Alle oder nur für Einzelne? Wie schnell kann der Übergang erfolgen, ohne unsere Mitarbeitenden zurückzulassen. Manche der aktuellen Lösungen und Diskussionen lassen erkennen, dass sie nicht allen Menschen dienen und nur wenige profitieren, dass der Zusammenhalt der Gesellschaft eher abnimmt als zunimmt – kurz, dass viele Menschen nicht davon profitieren werden und wir vor großen sozialen Umwälzungen stehen. Gerade deshalb sollten auch wir als Personaler bessere Lösungen fordern, diese selbst entwickeln und ausprobieren. Das können wir nur, wenn wir mutig vorangehen und nicht das Feld denen überlassen, die nur den eigenen Vorteil suchen.

Aus der Historie heraus hat HR immer den Blick sowohl auf die einzelne Person als auch auf das gesamte Unternehmen geworfen. Vielleicht mal mehr auf der Seite der Unternehmen, dann wieder auf der Seite der Belegschaft. Wir als Personaler haben immer beide Seiten der Medaille im Blick behalten und das ist jetzt unser wesentlicher Vorteil, wenn es darum geht die Arbeitswelt neu zu verhandeln und zukunftsfähig für beide Seiten zu gestalten. Grund genug für uns mutig, zu sein.

Sebastian Krammer
Learning Innovation Manager at HR factory

Teilt als Learning Innovation Manager bei HR factory im Home of HR Experts seinen persönlichen Blick auf aktuelle Themen wie: Learning & Development, Agilität, Digitalisierung und Diversity.

Sebastian Krammer

Teilt als Learning Innovation Manager bei HR factory im Home of HR Experts seinen persönlichen Blick auf aktuelle Themen wie: Learning & Development, Agilität, Digitalisierung und Diversity.