HR Online Expo: Messeerlebnis im virtuellen Raum

HR Online Expo
Foto: TALENTpro

Die Corona-Krise hat die Veranstaltungsbranche hart getroffen und ihr zugleich einen Digitalisierungsschub gegeben. Doch können Online-Events Präsenzveranstaltungen ersetzen? Und was erwartet die Messebesucher im Herbst, wenn die Messegelände ihre Tore wieder für die Besucherinnen und Besucher öffnen können? Darüber haben wir mit Alexander Petsch, CEO des Messeveranstalters børding, gesprochen, der seit mehr als 20 Jahren internationale HR-Fachmessen organisiert. Heute veranstaltet er unter anderem die TALENTpro und die L&Dpro in München. Im September 2020 plant er mit der HR Online Expo den größten HR-Online-Expo-Event im deutschsprachigen Raum.

Alexander Petsch, CEO des Messeveranstalters børding

Herr Petsch, Messen können ab Herbst wieder stattfinden, aber mit Auflagen wie zum Beispiel Obergrenzen bei Besuchern und Abstandsregeln. Lassen sich Fachmessen so noch (wirtschaftlich) sinnvoll durchführen?

Ich denke, das werden wir zum Teil erst nach Abschluss der Messen genau bewerten können. Aber wir glauben an Live-Kommunikation. Wir denken, dass wir gerade in Zeiten von Corona gesehen haben, dass wir zwar viel digitalisieren und uns auch virtuell treffen können. Aber der persönliche Kontakt ist doch nicht zu ersetzen. Wir können die Schlagzahl verringern und Kontakte reduzieren. Aber es wird weiterhin Orte geben, an denen eine Branche zusammenkommt. Auch das Feedback unserer Kunden war in der Richtung sehr ermutigend, weil diese sich weiterhin Präsenzveranstaltungen wünschen.

Natürlich müssen und werden wir uns an die Auflagen halten und alles umsetzen, was die Veranstaltungen sicherer macht. Die Vorgaben sind sehr heterogen und länderspezifisch. In Deutschland unterscheiden sie sich auch in den Bundesländern. Da auch die Auflagen noch in Bewegung sind, besteht die Herausforderung darin, mit sich ständig verändernden Parametern zu planen, um dann sichere Veranstaltungen für den Herbst auf die Beine zu stellen.

Was zeichnet sich jetzt schon ab? Auf welche Veränderungen können sich die Besucherinnen und Besucher einstellen?

Das hängt natürlich sehr stark von den jeweiligen Auflagen ab und auch davon, wie sich die Fallzahlen über die Sommermonate entwickeln werden. Aber es wird in jedem Fall Abstandsregeln geben. Wir haben über die Corona-Warn-App der Bundesregierung hinaus eine eigene App entwickelt, die Kontakte tracken wird, so dass wir auch im Falle einer Infektion genau wissen, wer mit wem Kontakt hatte. Gerade entwickeln wir die Laufwege für unsere Veranstaltungen, um Abstandsregeln leichter einhalten zu können. Es wird größere Abstände in den Auditorien geben. Wir werden Vortragsbereiche daher vergrößern und möglicherweise auch teilweise in weitere Hallen auslagern müssen. Bestimmte Dinge wird es auch nicht geben, wie zum Beispiel After-Show-Partys. Aber es werden dennoch schöne Veranstaltungen mit interessanter Atmosphäre und Top-Inhalten. Auch der Rückblick auf dieses besondere Jahr wird auf den Veranstaltungen in diesem Herbst und Winter sicherlich spannend werden.

Sie werden im September mit einer digitale HR-Messe auf den Markt gehen – der HR Online Expo. Was ist das Besondere der Veranstaltung?

Wir haben schon länger Onlinekonferenzen organisiert – mit Vorträgen und der Möglichkeit, im Anschluss Fragen zu stellen. Zusätzlich dazu wollen wir nun die Elemente, die Messen ausmachen, in den virtuellen Raum tragen. Das heißt, wir möchten zum einen den Austausch der Teilnehmer untereinander ermöglichen, aber auch die Produkte und Dienstleistungen, die auf der Messe gezeigt werden, in den Vordergrund stellen. Deshalb wird es im September in Deutschland zum ersten Mal die HR Online Expo geben. Unser Ziel ist es, der größte HR-Online-Expo-Event im deutschsprachigen Raum zu werden. Dabei geht es uns aber nicht um den Versuch, physische Messen visuell abzubilden. Stattdessen möchten wir an die Erfahrungen anknüpfen, die Menschen auf einer Messe machen können, um diese dann in den virtuellen Raum zu übertragen. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen, spannende Ansprechpartner zu bieten, Wissen zu teilen, sich Lösungen anzuschauen und daher schneller für passende Lösungen entscheiden zu können. Das hätte ich alles nicht, wenn ich auf der Suche nach einer Lösung im Internet unterwegs bin. Dabei muss ich einen riesen Aufwand betreiben, den ich bei einer Online Expo nicht habe.

Was erwartet die Teilnehmer?

Die Teilnehmer können die Online Expo über ihr Smartphone oder ihren Rechner besuchen. Sie können sich mit anderen Teilnehmern austauschen, Vorträge anhören, Produkte anschauen und sich bei Ausstellern über Neuerungen informieren. So kann ich mir als Personalentscheider einen schnellen Überblick verschaffen, aber auch tiefer einsteigen, indem ich mit einzelnen ins Gespräch gehe. Das in Kombination mit Gesprächen, die ich mit anderen Teilnehmern führen kann, wird das sicher eine spannende Erfahrung werden.

Viele Veranstalter haben in den vergangenen Monaten Online-Kongresse und -Messen aus dem Boden gestampft – oder befinden sich wie Sie noch mitten in diesem Prozess. Werden digitale Events Präsenzveranstaltungen in Zukunft zunehmend ablösen?

Nein, überhaupt nicht. Ich denke, Live-Veranstaltungen werden wahrscheinlich in ihrer Wertschätzung noch wichtiger als vorher. Aber ich bin auch der Meinung, dass es weniger geben wird. Wir werden sicherlich sehen, dass es bestimmte Veranstaltungen nach Corona nicht mehr geben wird. Wenn man in den Kulturbereich blickt, sieht man ja auch, wie sich Spielstätten fokussieren und ihre Angebote verändern. Auch daher denke ich, dass Kunden es künftig noch mehr schätzen werden, wenn sie das passende Live-Format für sich gefunden haben. Davon abgesehen kann ich mir aber sehr gut vorstellen, dass Veranstaltungen in Zukunft immer hybrider werden. Es wird auf der einen Seite weiterhin reine Onlineveranstaltungen geben, so wie wir das ja auch schon vor Corona mit unseren Onlinekonferenzen gemacht haben, auf die jetzt die Online-Expo-Formate folgen. Die Kür wird dann sein, wie wir das geschickt in einen hybriden Event verschränken, so dass man mehr Personen, mehr Experten die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen, von dem Wissen profitieren, das geteilt wird – und das sowohl off- als auch online.

Sie haben jetzt schon die Online-Konferenzen angesprochen, die Sie zu den Themen Ihrer Messen bereits organisiert haben. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt? Und speziell: Was kann das Online-Format? Was kann es nicht?

Onlinekongresse sind tolle Formate, um Wissen zu erlangen, inspiriert zu werden von Sprechern und Experten – und das mit einem sehr geringen Zeit-, Reise- und Kostenaufwand. Das kann eine Onlinekonferenz super leisten. Was sie schwerer leisten kann, ist der Austausch unter den Teilnehmern, sozusagen der Talk in der Kaffeepause – auch wenn wir versuchen, das abzubilden. Bei physischen Events ist der Austausch in der Pause ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor für die Teilnehmer. Dass die richtigen anderen Teilnehmer da waren, mit denen man sich austauschen kann und will, ist ganz wesentlich. Formate wie World Café oder Fish Bowl sind natürlich auch großartige Formate für eine physische Live-Veranstaltung. Wenn ich auf den Messeteil zurückkomme: Ich denke, dass vieles, was wir online entwickelt haben und noch weiter ausbauen werden, fällt natürlich bei einer physischen Messe viel leichter. Als Nutzer einer Online Expo brauche ich eine gewisse technische Kompetenz, ich muss mich darauf einlassen, um ähnliche Ziele zu erreichen, die ich bei einem physischen Besuch erreichen würde. Der große Unterschied zwischen Online und Offline betrifft aber aus meiner Sicht die Emotionalisierung. Am Ende des Tages werden alle Geschäfte zwischen Menschen gemacht und es macht einfach einen Unterschied, wenn ich mit jemandem persönlich zusammengetroffen bin, mit dem etwas getrunken und gegessen und mich ausgetauscht habe. Dann habe ich doch ein anderes Gefühl für mein Gegenüber als wenn ich das rein virtuell getan hätte.

Sebastian Ofer ist Chefredakteur der Online-Portale HRM.de und HRM.ch sowie des TALENTpro-Blogs. Der Journalist und studierte Germanist hat ein sicheres Auge für spannende personalwirtschaftliche Themengebiete und die neusten Trends der Arbeitswelt.